„Mein Baby saugt irgendwie gar nicht richtig. Es beißt eher mit dem Kiefer.“
Diesen Satz höre ich immer wieder von Müttern.
Vielleicht kennst du das auch: Dein Baby liegt an der Brust, bewegt den Kiefer kräftig auf und ab, zieht vielleicht immer wieder an der Brustwarze oder wirkt beim Trinken eher unruhig.
Und manchmal tut es dabei auch noch weh.
Dann entstehen schnell Fragen:
Trinkt mein Baby überhaupt genug?
Warum macht es das so?
Liegt es an meiner Brust?
Mache ich etwas falsch?
Zunächst einmal: Du machst nicht automatisch etwas falsch.
Stillen ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Bewegungen und Systeme. Und jedes Baby bringt seine eigene Geschichte und seine eigenen Voraussetzungen mit.
Warum ist Saugen eigentlich so komplex?
Effektives Saugen ist viel mehr als einfach „Mund auf und zu“.
Damit ein Baby gut trinken kann, müssen unter anderem Lippen, Zunge, Kiefer und Mundraum miteinander koordiniert arbeiten. Gleichzeitig braucht es eine gute Position von Kopf, Nacken und Körper.
Auch die Atmung muss mit dem Saugen und Schlucken koordiniert werden.
Das alles passiert bei einem kleinen Baby erstaunlich präzise und muss gleichzeitig erst gelernt und entwickelt werden.
Wenn dieses Zusammenspiel noch nicht optimal funktioniert, kann das Saugen für das Baby anstrengender werden.
Manche Babys arbeiten dann sehr stark mit dem Kiefer.
Warum arbeitet mein Baby so stark mit dem Kiefer?
Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben.
Manchmal liegt es an der Position an der Brust. Manchmal fällt es einem Baby schwer, einen guten und tiefen Saugschluss aufzubauen.
Auch Spannungen im Mund-, Kiefer- oder Nackenbereich können eine Rolle spielen. Ebenso können Beweglichkeit und Funktion der Zunge oder die allgemeine Körperspannung Einfluss darauf haben, wie ein Baby saugt.
Und manchmal braucht ein Baby einfach noch Zeit, um seine Bewegungen besser zu koordinieren.
Deshalb gibt es nicht die eine Ursache und auch nicht die eine Lösung.
Genau das ist mir in meiner Arbeit wichtig: nicht vorschnell etwas zu beurteilen, sondern das Baby als Ganzes anzuschauen.
Warum lohnt sich ein Blick auf den ganzen Körper?
Wenn ein Baby Schwierigkeiten beim Saugen hat, schauen wir verständlicherweise auf den Mund.
Und genauso wichtig ist es, den ganzen Körper zu beobachten.
Wie liegt dein Baby an der Brust?
Wie hält es seinen Kopf?
Wie bewegt es seinen Nacken?
Ist sein Körper eher entspannt oder wirkt es sehr angespannt?
Kann es sich gut an dich anschmiegen?
Wie bewegt es seine Arme und Beine?
Und wie verändert sich sein Saugen, wenn du seine Position veränderst?
Denn Babys saugen nicht losgelöst von ihrem restlichen Körper.
Der ganze Körper ist an dieser Leistung beteiligt.
Woran kann ich erkennen, ob mein Baby effektiv trinkt?
Es gibt nicht das eine perfekte Saugmuster.
Trotzdem können einige Beobachtungen hilfreich sein.
Ein Baby, das effektiv trinkt, wirkt häufig zunehmend ruhiger und koordinierter. Du kannst Schluckbewegungen beobachten oder hören. Die Kieferbewegung wirkt nicht nur hektisch, sondern entwickelt einen rhythmischen Ablauf.
Auch die Brust sollte nach dem Stillen möglichst nicht stark verformt oder verletzt sein.
Und natürlich ist entscheidend, ob dein Baby insgesamt gut gedeiht.
Wenn du unsicher bist, Schmerzen hast oder das Gefühl hast, dass dein Baby nicht ausreichend trinkt, ist es sinnvoll, dir Unterstützung bei einer entsprechend qualifizierten Fachperson zu holen.
Was kannst du selbst einmal ausprobieren?
Bevor du versuchst, das Saugen deines Babys zu „korrigieren“, kannst du zunächst etwas ganz Einfaches machen:
Verändere deine eigene Haltung und die Position deines Babys.
Mach es dir bequem. Lass dein Baby möglichst nah an deinem Körper liegen und unterstütze es so, dass Kopf, Nacken und Rumpf gut ausgerichtet sind.
Dann beobachte einfach.
Verändert sich etwas am Saugen?
Wird dein Baby ruhiger?
Wird der Kiefer weicher?
Verändert sich der Rhythmus?
Manchmal kann bereits eine kleine Veränderung der Position einen Unterschied machen.
Was hat die Mutter damit zu tun?
Für mich gehört bei der Begleitung eines Babys immer auch die Mutter dazu.
Wie geht es dir mit der Situation?
Hast du Schmerzen?
Machst du dir Sorgen?
Fühlst du dich beim Stillen sicher oder eher angespannt?
Gerade in der ersten Zeit sind Mutter und Baby eng miteinander verbunden. Wenn die Mutter unsicher oder angespannt ist, kann sich das auch auf die gemeinsame Situation auswirken.
Deshalb geht es für mich nicht darum, nur das Saugverhalten des Babys zu betrachten.
Es geht um Mutter und Kind.
Was ich in meiner Arbeit besonders wichtig finde
Wenn ein Baby Schwierigkeiten beim Saugen hat, möchte ich nicht nur auf das Symptom schauen.
Ich betrachte das Baby in seinem gesamten körperlichen Zusammenhang: seine Haltung, seine Bewegungen, seine Körperspannung, seine Entwicklung und die Art, wie es mit seiner Umwelt in Kontakt geht.
Dabei verbinde ich meine Erfahrungen aus der Physiotherapie und Osteopathie mit meinem Wissen über die frühe kindliche Entwicklung und die Begleitung von Müttern und Babys.
Es geht nicht darum, aus jeder Besonderheit eine Störung zu machen.
Babys dürfen unterschiedlich sein.
Aber wenn Eltern das Gefühl haben, dass etwas nicht rund läuft, lohnt sich manchmal ein genauerer Blick.
Denn häufig hilft es schon, Zusammenhänge zu verstehen.
Und manchmal braucht ein Baby einfach jemanden, der gemeinsam mit den Eltern genauer hinschaut.
Wann solltest du dir Unterstützung holen?
Wenn dein Baby regelmäßig sehr stark mit dem Kiefer arbeitet, häufig die Brust verliert, beim Trinken unruhig wird, du Schmerzen hast oder das Stillen für euch beide sehr anstrengend ist, darfst du dir Unterstützung holen.
Auch wenn du unsicher bist, ob dein Baby ausreichend trinkt oder gut gedeiht, solltest du das mit einer geeigneten Fachperson besprechen.
Du musst nicht erst warten, bis ein Problem „groß genug“ ist.
Stillen darf leicht werden – und wenn es das gerade nicht ist, darfst du dir Unterstützung holen.
Mein Gedanke zum Schluss
Du kennst dein Baby am besten.
Vielleicht ist das Wichtigste deshalb gar nicht, sofort eine Erklärung zu finden.
Sondern erst einmal genau hinzuschauen.
Wie bewegt sich mein Baby? Was verändert sich? Was fühlt sich für uns beide gut an?
Denn Verständnis kann Sicherheit schaffen.
Und manchmal beginnt genau dort eine ganz neue Verbindung zwischen Mutter und Kind.
Wenn Du unsicher bist, buche dir gerne ein kostenfreies Gespräch. Hier können wir gemeinsam herausfinden, ob und wie ich dir und deinem Baby helfen kann.